Interview mit unserem Speedy!

Posted on Nov 9 in Bandidos, Bulls, Nachwuchs, Verein.

Marcel Winder kam 2009 zu den Bulls. Es war seine erste Station im Baseballsport. Seither hat er 184 Spiele (AVG: 0.317) für die erste Mannschaft bestritten und einige weitere für die Bandidos. Seit 2012 ist er in der Nachwuchsarbeit der Bulls involviert. Aktuell ist er für die U10 und U12 der Hauptverantwortliche Coach und bei der U14 und U16 als Assistent Coach dabei. Mit den Bulls spielt er in der BLA und bei den Bandidos versucht er sich von Zeit zu Zeit als Pitcher.

Marcel, du bist ja eigentlich überall als Speedy bekannt, darf ich Speedy sagen?

Haha, ja natürlich – lustige Geschichte dazu, einmal versuchten Jugendspieler bei mir im Wohnblock zu klingeln, kannten aber meinen echten Namen nicht und haben dann einfach bei jedem Haushalt nach Speedy gefragt.

Wer die Bulls auch nur ein bisschen besser als rein oberflächlich kennt, der weiß, dass Bulls und Speedy untrennbar verbunden sind – sowohl sportlich als auch organisatorisch. Was bedeuten die Bulls und Baseball für dich?

Als ich 2009 mit Baseball begonnen habe, da war es wirklich nur ein Hobby. Ich habe nebenbei ein wenig gespielt, einfach nur aus Spaß. Jedoch hat mich der Sport schnell in den Bann gezogen, ich war einfach begeistert. Die Bulls befanden sich zu der Zeit gerade in einem Umbruch und durch Hubert Böhler bin ich dann auch irgendwie im Vorstand gelandet, habe die Jugendarbeit mit ihm vorangetrieben. Mann kann es sich gar nicht vorstellen, aber als ich begonnen habe, waren meist nur vier bis fünf Spieler auf dem Training. Baseballhosen zog man nur zum Spiel an, es war wirklich, mit heute verglichen, ein Sauhaufen, aber dieser Sauhaufen schaffte dann den Sprung in die BBL im Jahr 2011, und seither ging es gut bergauf mit den Bulls. Mittlerweile bedeutet Baseball fast alles für mich. Wenn ich am Morgen aufstehe denke ich an Baseball, wenn ich schlafen gehe träume ich von Baseball. Die Bulls sind mein Team, ich habe auch in schweren Zeiten immer gesagt, dass ich hier bleibe, egal was passiert. Was wir, und da gilt der Dank vielen, in Hard aufgebaut haben ist echt speziell und ich bin froh ein Teil davon zu sein. Und diesen Weg wollen wir weiterführen.

Wer dann ein wenig intensiver mit den Bulls zu tun hat, merkt auch sehr schnell: Speedy ist überall, hat fast unendlich viel Geduld und meistert fast alle Aufgaben und Anliegen souverän. Woher kommt diese scheinbar unerschöpfliche Energie?

Ja das Baseballfeld ist mittlerweile fast meine zweite Heimat. Viele die mich dann privat treffen scherzen, dass sie mich ohne Baseballbekleidung gar nicht erkannt haben. Es macht einfach unendlich viel Spaß. Nicht nur selber zu spielen, auch zu sehen wie sich die Nachwuchsspieler entwickeln oder wie sich die jüngsten über ganz kleine Erfolge freuen können, da fällt es eigentlich fast immer leicht die Energie und vor allem Zeit aufzubringen. Aber natürlich gibt es auch Tage wo ich dann nach einem Jugendturnier nachhause komme und einfach nur fertig bin. Trotzdem bin ich immer mit Freude dabei und solange es Freude macht, werde ich auch weiterhin so oft am Feld zu sehen sein.

Man kann deine heurige Saison durchaus als deinen Durchbruch bezeichnen. Durch konstante Leistungen und vor allem durch auffällig viele Clutch Hits, hast du nicht nur den Bulls zu vielen Siegen verholfen, sondern auch den lang ersehnten Sprung ins Nationalteam geschafft. Was denkst du, waren die Schlüssel zu deinem Erfolg?

Das ist immer witzig wenn ich das höre, weil eigentlich habe ich nicht viel anders gemacht. Ich habe, wie in den Jahren davor, viel trainiert, versuche umzusetzen was mir die Coaches zeigen und gebe immer alles was ich habe. Eventuell war es eine gewisse Lockerheit, ich war nicht mehr so verbissen wie auch schon. Tüchtigkeit wird am Ende immer irgendwann belohnt und bin natürlich froh, dass ich den Bulls helfen konnte. Wir haben auch ein tolles Team mit sehr hart arbeitenden Spielern, dickes Lob an alle.

Du warst im Sommer auch erstmals bei der B-EM in Belgrad dabei. Wie hast du deine Zeit beim NT erlebt?

Es ins Nationalteam zu schaffen war immer ein großer Wunsch von mir, daher bin ich sehr froh, dass es dieses Jahr geklappt hat. Die Erfahrung war einfach sehr wertvoll. Man liest dann immer wie toll die Stimmung war und viele denken dann das ist nur dahergeredet, aber die Stimmung war echt extrem gut. Es macht einfach Spaß mit so vielen talentierten Baseballern ein solches Turnier zu spielen. Schon beim Finkstonball hatte ich das Gefühl, dass dieses Jahr ein gutes fürs Nationalteam werden kann. In Belgrad hatte ich dann das Glück mit Ryan Rupp im Zimmer zu sein, dieser Clown macht jede Minute zum Erlebnis. Auch gefreut hat mich das mit Clemens ein weiterer Bulle dabei war. Er hat schon viel mit dem Nationalteam erlebt und konnte mir daher viele hilfreiche Tipps geben. Als ich dann erstmals die Hymne im Dress hörte, das war ein absoluter Gänsehautmoment. Erlebnisse die man nicht mehr vergisst.

Bei deinem NT Debut hast Österreich auch gleich auf Anhieb den Sieg des Turniers (der erste B-EM Sieg Österreichs) geschafft – ein Unterfangen, an dem Österreich seit den 90igern regelmäßig im Finale gescheitert ist. Du konntest den Sieg gar nicht richtig auskosten, da der Tag des Finales auch der Beginn deiner recht schweren Krankheit war. Wie geht es dir seither?

Unglaublich das ich gleich beim ersten Mal bei so einem Sieg dabei sein kann. Bei vielen Spielern die schon lange dabei sind hat man wirklich eine Erleichterung und Genugtuung gesehen, das war wirklich sehr speziell. Auch dem Coach Hiro Sakanashi, der ja in Wien zweimal knapp gescheitert ist, hat man gesehen was für eine Last von seinen Schultern fiel. Das waren tolle Momente. Nur ja direkt danach ging es mir dann echt nicht gut, erst dachte ich nur eine kleine Grippe, das legt sich wieder, aber leider folgten drei Wochen Krankenhaus. Kurz gefasst: Salmonellen im Blut, Blutvergiftung und jetzt eine reaktive Arthritis (Entzündungen in Gelenken) welche durch das Immunsystem, welches zu stark auf die Viren reagiert hat und dadurch die eigenen Gelenke angegriffen hat, ausgelöst wurde.. Das war die mit Abstand härteste Zeit die ich bisher im Sport durchgemacht habe. Die ganze tolle Saison, bis zu diesem Zeitpunkt, hilft mir eigentlich gar nichts, weil ich in den Playoffs zuschauen musste. Vermutlich gibt es nichts Schlimmeres für einen Sportler, wie das ganze Jahr auf die Playoffs, den Saisonhöhepunkt, hin zu arbeiten, und dann, wenn es wichtig wird nicht helfen zu können. Leider war dann auch im Viertelfinale schon Endstation, dennoch hat das Team toll gekämpft. Die Umstände waren auch wirklich nicht die besten. Dennoch hat zum Beispiel Nachwuchsspieler Kirian Pichler die Chance genutzt und tolle Leistungen gezeigt. Die gute Nachricht, langsam bin ich schmerzfrei und nächste Woche werde ich wieder leicht ins Training einsteigen. Immerhin habe ich seit Belgrad keinen Ball mehr geschlagen, das geht mir schon sehr ab.

Dein Aufstieg, vor allem als Quereinsteiger, war bis jetzt, und vor allem in den letzen Jahren (Aufstieg in die BLA, Leistungsträger bei den Bulls, Sprung ins NT, B-EM Sieg…), sehr steil. Was sind deine weiteren sportlichen Ziele?

Als Quereinsteiger hat man es nicht leicht, von überall hört man nur, dass es mit 19 keinen Sinn mehr hat einen neuen Sport zu beginnen und zu erlernen, aber ich habe mich dazu entschlossen, einfach weil mich Baseball so in den Bann gezogen hat und ich allen beweisen wollte, dass es möglich ist. Auf diese Entwicklung bin ich nun auch sehr stolz und es steckt wirklich viel Arbeit dahinter. Ziele gibt es noch genug. Irgendwann möchte ich noch Staatsmeister werden und kurzfristig natürlich möchte ich im nächsten Jahr bei den Playoffs für die A-Pool EM in Wien gegen Litauen dabei sein! Dort aber gesund, damit ich im Falle eines Aufstiegs richtig mitfeiern kann!

Du bist ja nicht nur als Spieler, sondern auch als Funktionär und Nachwuchscoach einer der treibenden Kräfte bei den Bulls. Wie bringst du das alles unter einen Hut?

Wenn man etwas wirklich machen will, dann findet man auch die Zeit dafür. Klar, der gesamte Vorstand arbeitet sehr hart für diesen Verein und opfert auch viel von der Freizeit die man hat, aber die Erfolge die wir in den letzten Jahren feierten entschädigen ein wenig dafür. Vor allem jene mit der Jugend, denn da stecke ich fast mein ganzes Herzblut rein. Von jedem unserer Spieler und Spielerinnen bin ich ein riesen Fan und jeder Abgang schmerzt mich wirklich sehr, daher bin ich bin den Trainings auch immer der „Gute Bulle“ und Clemens gezwungenermaßen der „Gute aber halt doch nicht ganz so Gute Bulle“. Hier ein großes Dankeschön an meine Familie, welche mich im Sommer kaum zu Gesicht bekommt. Sie haben echt viel Verständnis für meine Leidenschaft und unterstützen mich großartig.

Wie siehst du die Entwicklung der Bulls in den letzten Jahren, und wie erwartest du dir, dass es weiter geht?

Die Entwicklung ist durch die Bank positiv. Wir sind, als ich begonnen habe, echt weit weg gewesen. Die Bulls spielten gemeinsam mit den Bandidos in der Landesliga. Nachwuchsmannschaft gab es keine und das war 2009 – also noch nicht so lange her. Jetzt haben wir ein konkurrenzfähiges BLA Team, einen Vollzeit angestellten Coach, sechs Nachwuchsteams und bereits zwei Medaillen bei Nachwuchs ÖM’s, einen immer noch wachsenden Verein. Wenn ich an die Zukunft denke, dann sollte das schon in der Tonart weitergehen und der Vorstand wird sicher auch alles dafür geben.

Was muss passieren, damit das möglich ist?

Auf jeden Fall brauchen wir ein zusätzliches Feld. Insgesamt muss dann auch der Verein breiter aufgestellt sein – mehr Betreuer, mehr Umpire, mehr Scorer, mehr Spieler – einfach noch mehr helfende Hände. Es darf nie die Situation kommen, dass alles an zwei oder drei Läuten hängt, weil das uns ins Jahr 2009 zurück werfen könnte.

Vielen Dank Speedy!