Interview mit Sven Schüller!

In der Baseballszene in Europa ist der Name Sven Schüller kein unbekannter. Als ehemaliger Triple A Spieler stand er schon ganz kurz davor den Sprung in die Major League zu schaffen. Und jetzt ist Sven ein Teil der Hard Bulls. Uns erfüllt dies natürlich mit großem Stolz und wir sind sehr froh ein solches Kaliber in unserem Kader zu haben. Wie es dazu kam und noch vieles mehr könnt ihr jetzt im Interview selbst nachlesen.

F: Die Frage die ich am öftesten von Fans und Außenstehenden höre ist aktuell wohl, warum spielt Sven Schüller für Hard? Wie kam es dazu?

S: Ich habe 2020 in der deutschen Baseball Bundesliga gespielt für die Regensburg Legionäre und war bis zum letzten Vorbereitungsspiel im Kader für die Saison 2021. Aufgrund von persönlichen Gründen habe ich mich gegen eine Teilnahme an der Bundesliga Saison 2021 entschieden und einige Wochen Baseball auf Eis gelegt. Zu den Hard Bulls bin ich gekommen, als ich eine Spielmöglichkeit außerhalb Deutschlands gesucht habe um für die Europameisterschaft im September fit zu sein. Hard war aufgrund der geographischen Nähe und der Einstellung des Clubs und der Mannschaft eine einfache Entscheidung und ich freue mich Teil der Mannschaft sein zu dürfen.

F: Seit einem Monat bist du jetzt schon bei den Hard Bulls, was sind bisher die gewonnenen Eindrücke?

S: Mein bisheriger Eindruck ist ein sehr positiver. Die Bulls sind ein wahres Team. Jeder spielt für und miteinander. Vom ersten Moment an habe ich mich sehr wohl innerhalb der Mannschaft gefühlt und bin von der Qualität der Spieler überzeugt. Auch die Fans in Hard, welche ich in den letzten 2 Wochen kennenlernen durfte, gehören zu den besten Fans der Liga.

F: Du hast ja in deiner bisherigen Karriere schon viel erreicht, Triple A, mehrere Jahre in Amerika, deutsche Nationalmannschaft – kannst du uns ein wenig von deinem Werdegang erzählen?

S: Mein Erster Kontakt mit Baseball ist in den USA zustande gekommen, bei einem Verwandtenbesuch im Bundestaat Maryland in 2003. 2005 fanden meine Familie und ich einen Baseball Verein in Wuppertal bei welchem ich meine erste T-Ball spiele absolvierte. Nach einer Nominierung zur U15-Nationalmannschaft und einem Wechsel zum 1. Bundesliga Club in Solingen habe ich eine Einladung ans Sportinternat in Regensburg erhalten. In 2011 bin ich dann nach Regensburg gezogen und habe durch meine Leistungen in der 2. Bundesliga, der U18 und Herren-Nationalmannschaft sowie verschiedenen MLB-Scout Camps 2013 einen Profivertrag bei den Los Angeles Dodgers unterschrieben. Während meiner 7 Jahre in den Minor League Mannschaften der Dodgers habe ich viel erleben dürfen. Herausstechen tun dabei meine 2 Jahre in der Australischen Profiliga, den World Baseball Classic Qualifer in Mexico 2016 und mein Debüt in Triple A 2018.

F: Du bist mit 17 schon nach Amerika und hast es dort sehr weit gebracht. Was hat deiner Meinung nach zur MLB gefehlt (du warst ja ganz kurz davor)?

S: Ich persönlich denke, dass mir noch etwas Zeit gefehlt hat. Das durchschnittliche Alter eines MLB Rookies liegt zwischen 22 und 24 Jahren. Jedoch wird in Amerika bereits in der Highschool viel mehr gespielt als in Europa, die amerikanischen Spieler und besonders die College Spieler verfügen so über mehr Erfahrung als ein Spieler aus Europa. Diesen Erfahrungsunterschied auszugleichen ist nicht einfach und braucht Zeit, mit 22 und 23 habe ich in Double A und Triple A gespielt. Durch die globale Situation 2020 gab es keine Minor League Saison, welche für mich eine sehr Entscheidende gewesen wäre um es in die MLB zu schaffen.

F: Was sind generell deine Eindrücke vom Baseball in Amerika, ist es wirklich eine ganz andere Welt als in Europa?

S: Baseball in Amerika ist ein großes Spektakel. Jeden Freitag oder Samstag gibt es nach den Spielen Feuerwerk, unter der Woche werden Spiele früher angesetzt, so dass ganze Schulen in die Minor League Stadien pilgern können. Vor tausenden von Zuschauern zu spielen ist Normalität und es gibt Baseball jeden Tag. Der Sport ist im Alltag allgegenwärtig und trägt viel zur Sportkultur der USA bei.
In Europa ist Baseball noch eine Randsportart, allerdings ist die Fankultur sehr ähnlich. Wer Baseballfan in Europa ist, der verpasst kaum ein Heimspiel am Wochenende und ist meist sehr engagiert im Verein selbst. Es ist eine intimere Verbundenheit zum Sport als es in den USA zu finden ist.

F: Zusammengefasst hast du schon viel erlebt im Baseball, gibt’s ein Ereignis das besonders prägend war?

S: Besonders prägend waren die Momente in denen ich mich mit einigen der größten Spieler der MLB unterhalten durfte. Ich durfte das Baseball Wissen von Spielern und Managern wie Tommy Lasorda, Orel Hershiser oder Greg Maddux anzapfen.

F: Aktuell bist du ja auch Coach in der Akademie in Regensburg und hast dort mit den besten Spielern Deutschlands bzw. Europas zu tun. Wie siehst du die zukünftigen Chancen von europäischen Spielern in den großen Amerikanischen Ligen?

S: Die Chancen für europäische Spieler gesehen zu werden ist so groß wie sie noch nie war. Der Fortschritt in der Technik die den Sport begleitet bringt viele Chancen mit sich. Das Talent welches in Europa vorhanden ist kann sich mit dem Talent auf der ganzen Welt messen. Durch die Erfassung von allen essentiellen Daten wie die Umdrehungen der Pitches, der Geschwindigkeit des geschlagenen Balles und vielen mehr, werden Daten und Videos leichter zugänglich für Talentsucher aus der ganzen Welt. Ein MLB Club muss nicht zwingend jemanden nach Europa schicken um einen Spieler zu evaluieren, sondern kann die Daten evaluieren. Somit werden mehr europäische Spieler gesichtet und weniger Talent fällt durchs System.

F: Die große Minor League Reform hat auf die Chancen sicher eher einen negativen Einfluss oder?

S: Ja, das Level innerhalb der Minor Leagues ist gestiegen und es gibt weniger Jobs. Dementsprechend ist der Wettbewerb für diese wenigen Jobs gestiegen, aber das Ziel ist die MLB und wer das Talent hat sich in der MLB beweisen zu können, der wird weiterhin seine Chancen in den Minor Leagues bekommen. Dies gilt auch für Europäer, welche schon immer großes Talent zeigen mussten um sich für einen Profivertrag zu empfehlen. Dafür ist durch die erhöhte Sichtbarkeit der Talente der Weg zu einem College Stipendium einfacher geworden.

F: Was sind deine Ziele für die nahe Zukunft? EM in Italien ist sicher ein Thema? Ist auch die Rückkehr nach Amerika ein Ziel?

S: Meine sportlichen Ziele für die Zukunft ist ganz klar Deutschland so gut wie es mir möglich ist auf der EM in Italien zu vertreten und mit den Bulls eine gute Bundesliga Saison zu spielen. Die Rückkehr nach Amerika ist ein Ziel über welches ich wenig Kontrolle habe, allerdings ist mein Ziel der beste Baseballspieler zu werden, der ich sein kann, immer noch vorhanden. Sollte ich eine MLB Organisation von mir überzeugen können, so würde ich mich freuen mich erneut in den Minor Leagues beweisen zu dürfen.

F: Die Bulls findet man aktuell in der Tabelle relativ weit hinten, woran liegt es? Was können die Bulls 2021 noch erreichen?

S: Wir haben unser volles Potenzial noch nicht erreicht, aber die Saison ist noch nicht vorbei. Im Baseball heißt es so schön: Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man und manchmal regnet es. Aber egal was passiert, wir werden weiter für Siege kämpfen und alles tun um uns in der Tabelle hoch zu kämpfen. Wir sind motiviert und werden mit der Zeit unsere Leistung steigern.

F: Abschließend noch Danke für deine Zeit und vielen Dank, dass du Teil der Bulls bist.